Schulverband Schacht-Audorf

 

 

Sonja Kowalewski



 

Lebenslauf

Berufliche Tätigkeit


 
 
 
 

Lebenslauf


03.01.1850

Geboren als 2. Tochter von Elisabeth Fjodorowna und General Wassili Krukowski in Moskau

1858

Umzug der Familie auf das Landgut Palibino
  Erziehung durch Privatlehrer und Gouvernanten, Onkel unterstützt ihr Interesse für Mathematik, das entsteht, weil ihr Zimmer mit einem Vorlesungsskript über Differential- und Intergralrechnung tapeziert ist, weil entsprechende Tapeten fehlen
  Vater verbietet Mathematikunterricht, weil sie andere Fächer vernachlässigt, Sonja bildet sich heimlich fort: im Alter von 15 Jahren erarbeitet sie sich ohne Hilfe durch einen Lehrer die Sinusfunktion

1868

Umzug nach St. Petersburg, Privatunterricht bei Professor Alexander Strannolubski (1839 - 1903) in analytischer Geometrie und Infinitesimalrechnung

September 1868

Heirat mit Wladimir Kowalewski, um im Ausland studieren zu können

(Junge Russinnen besitzen keinen eigenen Paß, können also nur in Begleitung ihres Vaters oder ihres Ehemannes ins Ausland reisen.)

1896 

Studium der Mathematik und Physik in Heidelberg, nur als Gasthörerin mit Spezialgenehmigung möglich

1870

Wechsel nach Berlin, Privatstudium bei Professor Weierstraß, weil die konservative Verwaltung kein ordentliches Studium einer Frau erlaubt

1872 - 1874

Arbeit an der Dissertation, die zur Promotion "in absentia" an der Universität in Göttingen führen (summa cum laude)

1874

Rückkehr nach Rußland, da Sonja keine Möglichkeit sieht, eine ihren Fähigkeiten angemessene Tätigkeit auszuüben, zieht sie sich zunächst ins Privatleben zurück

17.10.1878

Geburt ihrer Tochter Sonja, genannt Fufa

März 1881

Sonja verläßt ihren Mann, der sich wegen seiner Spielschulden finanziell völlig ruiniert hat, sie geht zunächst zusammen mit ihrer Tochter nach Berlin, reist dann aber weiter nach Paris, während ihre Tochter bei ihrer Freundin Julia Lermentowa in Rußland aufwächst

Juli 1882

Gösta Mittag-Leffler, der Herausgeber einer mathematischen Zeitschrift in Skandinavien, stellt sie französischen Mathematikern vor, Wahl in die Pariser Mathematische Gesellschaft

Ende 1883

Sonja nimmt das Angebot wahr, als Privatdozentin in Stockholm tätig zu sein

1884

Mitherausgeberin der mathematischen Zeitschrift Mittag-Lefflers,

erhält ordentliche Professur in Stockholm, die allerdings zunächst auf 5 Jahre begrenzt ist

Mai 1887

Nach dem Tod ihrer Schwester Anjuta vertieft sie sich in ihre wissenschaftliche Arbeit

Juni 1889

Durch Fürsprache von Mittag-Leffler erhält Sonja in Stockholm eine Professur auf Lebenszeit, in Frankreich und Rußland, wo sie sich ebenfalls um eine Professur bemüht, bekommt sie zwar einige Ehrungen, aber keine Stelle

10.02.1891

Sonja stirbt an Tuberkulose im Alter von 41 Jahren.

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Tätigkeiten und Veröffentlichungen Sonja Kowalewskis



 
 
 

Sonja Kowalewski studierte in Berlin bei Karl Weierstraß (1815 - 1897).
1874 erhielt sie für ihre Arbeit zur "Theorie partial-differentialer Gleichungen" ein "Doktorat in absentia" der Universität Göttingen. Sie enthielt den Lehrsatz über die Existenz und Eindeutigkeit von Lösungen dieser Gleichungen.

Ihrer Dissertation legt sie zwei weitere Arbeiten bei:

a) eine Arbeit beschäftigt sich mit den Saturnringen und enthält mathematische Lösungswege von bleibendem Wert,

b) die zweite wurde 1884 unter den Titel "Über die Reduction einer gewissen Klasse Abelinischer Integrale des dritten Ranges zu elliptischen Integralen" in den Acta Mathematica veröffentlicht.

Ernst Schering, der ihre Arbeiten begutachtete, stellte fest, daß sie alle mit viel Fleiß und Sachkenntnis erstellt wurden und daß eine bereits für die Doktorwürde ausreichen würde. Sie erhält den Titel "summa cum laude".
 
 

Nach ihrem vorübergehenden Rückzug ins Privatleben nahm sie 1878 ihre wissenschaftliche Tätigkeit wieder auf. Ihre Ankunft in Stockholm 1883 wurde in allen Zeitungen erwähnt, weil es so ungewöhnlich war, daß eine Frau eine Dozentur erhielt und dafür sogar in ein fremdes Land ging.

Einerseits wurde sie dort als "Prinzessin der Wissenschaft" gefeiert, andererseits mußte sie auch massive Anfeindungen ertragen.

August Strindberg (1849 - 1912) schrieb: "Ein weiblicher Mathematikprofessor ist eine gefährliche und unerfreuliche Erscheinung, man kann ruhig sagen eine Ungeheuerlichkeit. Ihre Einladung in ein Land, in dem es so viele ihr weit überlegene männliche Mathematiker gibt, kann man nur mit der Galanterie der Schweden dem weiblichen Geschlecht gegenüber erklären."
 
 

1886 erhielt sie für ihre Arbeit über die Rotation eines festen Körpers um einen neuen Fixpunkt die höchste Auszeichnung der französischen Akademie der Wissenschaften, den "Prix Bordin". Die Arbeiten für diesen Preis mußten anonym eingereicht werden, die Namen der Einsender wurden erst nach der Preisvergabe bekanntgegeben. Sonjas Arbeit wurde ausgewählt und für so gut erachtet, daß das Preisgeld von 3000 Franc auf 5000 Franc erhöht wurde.
 
 

Weil ihre Professur 1889 auslief , bemühte sie sich in Frankreich und Rußland um eine Stelle. Statt dessen erhielt sie in Frankreich nur den Titel "Oficier de l'Instruction publique" und in Rußland wurde sie zum "korrespondierenden Mitglied der Petersburger Akademie der Wissenschaften" gewählt.

In Stockholm dagegen erhielt sie 1889 schließlich eine Professur auf Lebenszeit.

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